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Christoph-Apotheke

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  • 50672 Köln

Chemotherapie: Formen, Ablauf, Risiken

Bei der Chemotherapie hemmen sogenannte Zytostatika die Vermehrung von Krebszellen. Deshalb ist sie ein wichtiger Bestandteil in der Behandlung von Krebserkrankungen
aktualisiert am 25.08.2016

Viele Chemotherapien werden als Infusionen über die Vene verabreicht

PhotoDisc/ RYF

Chemotherapie – was ist das?

Der Begriff Chemotherapie wird heute fast ausschließlich für die Behandlung von Krebserkrankungen verwendet. Eigentlich bezieht sich eine Chemotherapie auf jede Art von medikamentöser Behandlung, bei der Zellen zum Absterben gebracht oder am Wachstum gehindert werden sollen. Das können Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren ebenso wie Krebszellen sein. Im weiteren Sinn gelten also auch Antibiotika als "Chemotherapie".

Für eine Chemotherapie bei Krebserkrankungen werden Zytostatika eingesetzt. Diese umgangssprachlich auch als Zellgifte bezeichneten Substanzen hindern die Zellen an der Teilung und bringen sie zum Absterben.

Was sind Zytostatika und wie wirken sie?

Krebszellen haben im Vergleich zu normalen Zellen als wesentlichen Unterschied, dass sie sich ungehemmt durch unkontrollierte Zellteilung vermehren. Die Zytostatika bremsen genau diese Zellteilung.

Die verschiedenen Zytostatika wirken auf unterschiedliche Weise: Manche Mittel schädigen zum Beispiel die Erbinformation der Zellen, die DNA. Darunter versteht man eine Art Betriebsanleitung für die Zelle und deren Vermehrung. Wenn sich die Zelle teilt, das heißt wenn aus einer Zelle zwei werden, braucht die neu entstandene Zelle ebenfalls eine DNA, also sozusagen eine Kopie der Betriebsanleitung. Zytostatika verursachen zum Beispiel "Kopierfehler", oder sie blockieren den Kopiervorgang. Andere Zytostatika greifen in den Stoffwechsel der Zelle ein. So verhindern sie die Zellteilung und das –wachstum und bewirken ein Absterben der Krebszellen.

Für den Behandlungserfolg kann ein Zytostatikum allein verabreicht werden, oder es kann auch sinnvoll sein, mehrere – unterschiedlich wirkende – Zytostatika bei einer Chemotherapie zusammen einzusetzen; man spricht dann von einer Kombinations-Chemotherapie.

Wann ist eine Chemotherapie sinnvoll?

Eine Chemotherapie kann die Heilung der Krebserkrankung zum Ziel haben; in diesem Fall sprechen Mediziner von einer kurativen Therapie. Ist eine Heilung nicht möglich, dient die Behandlung dem Ziel, den Krankheitsverlauf zu bremsen und/oder die Beschwerden des Patienten zu lindern; in diesem Fall spricht man von palliativer Chemotherapie.

Bestimmte Tumorarten werden allein mit Chemotherapie behandelt. Aber nicht jede Krebserkrankung spricht auf eine Therapie mit Zytostatika an. Das operative Entfernen, die Bestrahlung des Tumors oder der Einsatz zielgerichteter Therapien beispielsweise mit Antikörpern können dann Erfolg versprechender sein.

Oft setzen Mediziner die Chemotherapie in Kombination mit Operation, Strahlentherapie oder zielgerichteten Therapien ein. In diesem Zusammenhang fallen eventuell folgende Therapiebezeichnungen:

  • Adjuvante Chemotherapie: Eine adjuvante ("unterstützende" oder "anschließende") Chemotherapie folgt auf eine kurative Behandlung wie Operation oder Bestrahlung. Sie soll verhindern, dass möglicherweise im Körper verbliebene Krebszellen sich weiter vermehren und zu einem Wiederauftreten eines Tumors führen, das Rezidiv genannt wird.
  • Additive Chemotherapie: Eine Chemotherapie wird additiv ("zusätzlich" oder "ergänzend") eingesetzt, wenn bei einer Operation das Tumorgewebe nicht vollständig entfernt werden konnte. Unter Umständen verkleinert sich dadurch der Tumor oder eine Ausbreitung der Krebserkrankung wird gebremst.
  • Neo-adjuvante Chemotherapie: In manchen Fällen ist es nicht möglich, einen Tumor komplett zu entfernen – zum Beispiel aufgrund seiner Größe. Mit einer neo-adjuvanten Chemotherapie besteht die Chance, den Tumor zu verkleinern und dadurch doch noch zum Beispiel eine chirurgische Entfernung möglich zu machen.

Wie läuft die Chemotherapie ab?

Nach der Feststellung der Krebserkrankung und Bestimmung von Größe und Ausbreitung wird von den behandelnden Ärzten ein individueller Behandlungsplan festgelegt. Üblicherweise basiert dieser auf Erfahrungen aus großen Studien mit vielen Patienten, die an dem gleichen Tumor erkrankt sind und behandelt wurden. Erachten die Ärzte eine Chemotherapie für sinnvoll, so legen sie – meistens anhand der aktuell vorliegenden Daten zur Behandlung dieser Erkrankung – die folgenden Punkte fest:

  • Welches Zytostatikum oder welche Kombination von verschiedenen Zytostatika soll der Patient erhalten?
  • Ist eventuell auch eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie sinnvoll? Oder eine Kombination aus Chemotherapie und zielgerichteter Behandlung?
  • Wann wird mit der Chemotherapie begonnen?
  • Welche Dosierung und Darreichungsform wird angewendet?
  • Wie oft und in welchem zeitlichen Abstand soll der Patient seine Chemotherapie erhalten?
  • Wie lange soll die Chemotherapie erfolgen?

Heutzutage ist eine Chemotherapie meist nicht mehr zwingend mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. Viele Krebspatienten können die Zytostatika auch ambulant erhalten – zum Beispiel in Ambulanzen von Krankenhäusern oder in der Praxis eines niedergelassenen Krebsspezialisten, einem Onkologen.

Viele Chemotherapien werden als Infusionen über die Vene verabreicht. Einige Zytostatika stehen auch in Tablettenform zur Verfügung. Meistens sind mehrere Gaben im Abstand von jeweils einigen Tagen erforderlich. Nach einem gewissen Zeitraum ohne Behandlung, der sogenannten Therapiepause, wird erneut mit der Verabreichung der Zytostatika begonnen. Man spricht von einem Therapiezyklus, der sich oftmals drei- bis sechsmal wiederholt. Durch die Wiederholung der Chemotherapie wird versucht, möglichst alle Krebszellen im Körper zu bekämpfen.

Die Zytostatika wirken überall im Körper ("systemisch"). So erreichen sie auch verstreute Krebszellen oder Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Manchmal besteht auch die Möglichkeit, Zytostatika "lokal" zu verabreichen – also nur an einer ganz bestimmten Stelle im Körper. Dann sprechen Mediziner von einer regionalen Chemotherapie. Zum Beispiel wird der Wirkstoff in einem operativen Eingriff direkt in das Blutgefäß gespritzt, welches das erkrankte Organ mit Blut versorgt. Damit das Medikament nicht von dort aus in den gesamten Körper gelangt, klemmen die Ärzte einen Teil der Blutgefäße vorübergehend ab. Der Vorteil der regionalen Chemotherapie besteht darin, dass der Wirkstoff höher dosiert werden kann. Es handelt sich aber um ein spezielles Verfahren, das nur bei wenigen Tumorarten in Frage kommt.

Was sind Risiken und Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie?

Zytostatika wirken im gesamten Körper auf Zellen, die sich rasch vermehren. Deshalb wirken sie auf schnell wachsende Tumore und auch auf gesundes Gewebe, dessen Zellen sich häufig teilen. Dazu gehören zum Beispiel die Schleimhäute, die Haarfollikel und das blutbildende System im Knochenmark. Deshalb kann es unter anderem zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Entzündung der Schleimhaut: Unter Chemotherapie kann es zur Schädigung der Schleimhaut im Mund kommen, was Schmerzen und Entzündungen als Folge haben kann. Auch können Zytostatika die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt angreifen und Bauchschmerzen und Durchfälle verursachen.
  • Haarausfall: Ausgehende Haare sind ebenfalls eine häufige Nebenwirkung einer Chemotherapie. Nach Abschluss der Chemotherapie wachsen die Haare normalerweise wieder nach. Perücken und modische Kopfbedeckungen können helfen, den oft als sehr belastend empfundenen Haarausfall zu kaschieren.
  • Blutbildungsstörungen: Die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen kann unter einer Chemotherapie zurückgehen. Die Folge können eine Blutarmut (Anämie), ein geschwächtes Immunsystem und eine erhöhte Blutungsneigung sein. Deshalb ist es wichtig, die Blutwerte während der Chemotherapie zu kontrollieren.

Eine Chemotherapie kann auch die nachfolgend genannten Nebenwirkungen verursachen:

  • Übelkeit und Erbrechen: Die Einnahme von Zytostatika kann Übelkeit und Erbrechen, in unterschiedlichem Schweregrad, auslösen. Diese Beschwerden lassen sich heutzutage mit entsprechenden Begleitmedikamenten zur Chemotherapie, den sogenannten Antiemetika, meist gut in den Griff bekommen.
  • Fatigue: Unter Fatigue (französischer Begriff für Erschöpfung) versteht man einen Zustand mit ausgeprägter Müdigkeit, schwindenden Energiereserven oder erhöhtem Ruhebedürfnis. Viele verschiedene Störungen können bei Krebspatienten Auslöser sein, auch eine Chemotherapie gehört zu den möglichen Ursachen.

Diese beschriebenen Nebenwirkungen können, müssen aber nicht auftreten. Wie gut eine Chemotherapie vertragen wird, ist individuell sehr verschieden und hängt stark von den eingesetzten Medikamenten und der verwendeten Dosis ab. Auch klingen die oben erwähnten Nebenwirkungen nach beendeter Chemotherapie in der Regel folgenlos wieder ab und der Körper erholt sich. Manche Zytostatika können allerdings gesundes Gewebe längerfristig schädigen. Das kann zum Beispiel Nerven, Herz und Niere betreffen. Patienten sollten beim Auftreten von unklaren Beschwerden immer ihren behandelnden Arzt aufsuchen.

Beratende Experten: Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

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